Der älteste Baum der Schweiz

Ich komme jedes Jahr wieder. Ich wachse, gedeihe, gebe dem Frühling Farbe. Ich geniesse den Wind, der mich wiegt. Ich heisse den Regen willkommen, der mich nährt. Wenn ich den Kampf gegen die Kälte verliere, verschenke ich mein Gold an den Herbst. Dann falle ich. Und kehre im Frühjahr wieder zurück. Ich grüsse dich. Mein Name ist Nadel, Lärchennadel.

Der Wald ist das Gold des Bergdorfes Goms. Das scheint unglaublich? Ohne Wald, wäre das Leben im Goms, sogar in den meisten Teilen der Alpen, nicht möglich. Denn der Wald hat in den Bergen viele Funktionen. Er sorgt für Wärme und warme Malzeiten, auch heute noch. Er speichert das Wasser und gibt es allmählich ab. Er schützt vor Steinschlag und Murgängen. Und er ist der beste Schutz vor Lawinen. Er ist Heimat vieler Wildtiere. Heute ist der Wald zudem ein äusserst wirksamer Erholungsort für uns alle.

1550 JAHRE ALT

In Obergesteln steht der wahrscheinlich älteste Baum der Schweiz. Die Lärche oberhalb des Dorfes, die einen Umfang von 7,4 Metern hat und stolze 35 Meter hoch ist, ist rund 1'500 Jahre alt. Er sah wohl, wie die Kelten und Römer durch das Goms zogen, wie die Alemannen das Tal besiedelten, wie die Not die Walser in die Ferne trieb. Er sah den ersten Zug, das erste Auto, das erste Motorrad die Pässe erklimmen. Er wundert sich heute, dass Menschen in ein flaches, leuchtendes Ding starren.

Da der Baum innen hohl ist, ist eine Kernbohrung zur genauen Bestimmung des Alters mittels Jahrringen nicht möglich. Das Alter wurde auf Grund von Vergleichen mit anderen Bäumen geschätzt.

In den Hohlraum im Bauminnern passen fünf Erwachsene. Etwas schief steht der bejahrte Baum indessen. Heftiger Wind mit schwerem Nassschnee kombiniert, könnte ihn jedoch zum Umsturz bringen.

Wo der Baum genau liegt? Das müssen die Kinder schon selber herausfinden. Wie? Am besten die Leute in Obergesteln fragen. Vielleicht verraten Sie den Standort dieses Schatzes. Vielleicht!

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