Bergdorf-LandLeute Land und Leute im Bergdorf Goms

Ich bin eher zurückhaltend. Drauf losstürmen und etwas überstürzen ist nicht meine Art. Ich habe gelernt, dass die Natur immer das letzte Wort hat. Ich habe von dem gelebt, was die Gommer Erde hergab. Ich habe diese Erde beschützt. Meine Sprache ist auf den ersten Ton etwas rau. Doch Herzlichkeit strömt dir entgegen, wenn ich dich besser kennenlerne. Sei gegrüsst, ich bin die Gommerin, ich bin der Gommer.

Tausende von Jahren dienten die Gommer Pässe als Verbindung von Norden und Süden. Seit der Steinzeit leben hier Menschen. Kelten, Römer und vor allem die Alemannen haben Ihre Spuren, ihre Kultur und ihre Sprache hinterlassen.

DIE GOMMER

Seit 1850 hat sich die Bevölkerung des Goms anzahlmässig nur wenig verändert. Schon damals wohnten gegen 5000 Menschen in diesem abgeschiedenen Bergtal. Heute sind es im ganzen Bezirk Goms rund 4500 Einwohner, die in erster Linie im Gewerbe und im Tourismus tätig sind. Die Tatsache, dass die Einwohnerzahl nicht wie in den Zentren explodiert ist, kennt wie immer Vor- und Nachteile. Der Nachteil besteht im wirtschaftlichen Abwanderungsdruck, der vor allem junge Leute dazu drängt, das Tal zeitweise oder gar für immer zu verlassen. Der Vorteil ist, dass die Natur- und Kulturlandschaft des Goms praktisch unversehrt überdauert hat und die Gommer Bergdörfer vom alles vernichtenden Bauboom der Zentren verschont geblieben sind.

Dazu beigetragen hat sicher auch, dass der Walliser und der Gommer im Besonderen sehr schollenverbunden ist. So haben die kleindörflichen politischen Strukturen die Jahrhunderte überdauert und erst in den letzten Jahren schliessen sich die kleinen Dörfer zu grösseren, politischen Gemeinden zusammen, ohne aber den Stolz auf das eigene Dorf und seine Eigenarten aufzugeben.

DAS GOMMER BRAUCHTUM

Das Brauchtum im Goms ist vor allem durch zwei Bereiche geprägt: Die bäuerliche Kultur und die Religion. Der bis in die Neuzeit erhalten gebliebene, konservative Katholizismus hat viele Bräuche im Goms geprägt. Noch heute finden vielerorts Prozessionen und Wallfahrten statt, um das Dorf vor Naturereignissen und Feuersbrunst zu schützen. Die katholischen Feiertage werden noch heute hoch und heilig gehalten. Noch heute zeigt sich diese Tradition in den grossartigen sakralen Kunstwerken, die Generationen von Gommer Künstlern für die Kirchen und Kapellen im Goms geschaffen haben.

Das landwirtschaftliche Brauchtum mit den Alpaufzügen, Alpfesten, Käseproduktion, Kuhkämpfen und anderem mehr fusst im bäuerlichen Ursprung der Gommer, die früher ausschliesslich Selbstversorger waren.

Die reiche Sagenwelt geht ebenfalls auf die langen Abendstunden in den Alphütten und Maiensässen zurück, wo die Menschen zusammenkamen und sich beim «Abesitz» mit Vorliebe schaurige Geschichten über Geister und andere Untote erzählten.

Zum Teil heidnischen Ursprungs sind Bräuche wie Nikolausläuten und die Fasnacht. Am 5. und 6. Dezember ziehen die Kinder mit Bischofsmütze verkleidet und mit Kuhglocken läutend von Haus zu Haus und bitten um Gaben. Vor der Fastenzeit praktizieren an der Fasnacht die «Maschgini» ihr närrisches Treiben und nutzen seit jeher die Gelegenheit, der Obrigkeit ohne Angst vor Strafen eins «auszuwischen».

Der Gommer Dialekt

Die Sprache des Goms ist wie der Walliser Dialekt eine höchstalemannische Sprache. Die Abgeschiedenheit des Wallis hat dazu geführt, dass der Dialekt sich während Jahrhunderten nur wenig verändert hat und seine Eigenarten erhalten hat. Das gilt insbesondere auch für das Goms. Hinzu kommt, dass sich viele Worte aus dem Französischen und dem Italienischen eingebürgert haben. Die Gommer sind stolz auf ihre Sprache und reagieren schnell einmal etwas ungehalten, wenn deren Unverständlichkeit kritisiert wird.

Was auf den ersten Ton rau aber sympathisch klingt, ist auch beim zweiten Hinhören für Nicht-Gommer schwierig zu verstehen. Mit etwas Übung und dem guten Willen der Leute, etwas langsamer zu sprechen, steht einer guten Verständigung aber nichts im Weg. Im Notfall hilft der Fendant (Walliser Weisswein) der Kommunikation auf die Sprünge. Noch vor 20 Jahren konnte man fast jeden Oberwalliser anhand seines Dialektes seinem Herkunftstort zuordnen. Heute gleichen sich bei den Jungen die verschiedenen regionalen Dialekte an und Worte aus dem Hochdeutschen werden nahtlos in den Dialekt übernommen. Trotzdem ein paar Worte zwecks besserer Völkerverständigung:

  • Tagwoll: Guten Tag, Gruss bis zum Mittag
  • Nabed: Guten Abend, Gruss ab Mittag
  • Salü: Willkommensgruss unter Bekannten
  • Tschau: Abschiedsgruss unter Bekannten
  • Üsserschwizer: Alle Deutschsprachigen der Schweiz ausserhalb des Kantons Wallis
  • Wältschi: Westschweizer
  • embrüff und embrii: hinauf und hinunter
  • emüäche und emab: herauf und herunter
  • ämi(che) und ämüs: hinein und hinaus
  • Booze: Geist, häufige Gestalt in Walliser Sagen
  • Büäb, Büäbji: Junger Knabe, Bursche
  • Buttitschifere: BH
  • dorfa: miteinander reden
  • Guttere: Flasche
  • Hopschel: Frosch
  • Lattüechji: Eidechse
  • Maanet: Monat, Mond
  • Meije: Blume
  • Mojini: Figuren
  • Fligfolter: Schmetterling
  • Ponte: Zapfen (aus dem Französischen: bondon)
  • Port: Tür (vom französischen: porte)
  • Pusset: Kinderwagen(vom französischen: poussette)
  • schich mottä: sich bewegen
  • Schriibi: Schreibstift
  • en Schutz: eine Weile
  • Schwinggi: Schwein
  • siente: manchmal
  • summi: manche/einige
  • triibe: werfen
  • Trechner: Handtuch
  • Tschifere: eine Traghutte, die auf dem Rücken getragen wird
  • Langse: Frühling
  • Bisch-mes?: Schaffst du es?
  • es Gufer: ein Stein
  • Tschügge: Zopf
  • Mämmi: Baby
  • Horner: Februar
  • Brachet: Juni
  • Hewwet: Juli
  • Wintermaanet: November
  • Christmaanet: Dezember
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